Interview mit María del Rosario de Falla, Vorsitzende des nationalen Geflügelzüchtervereins (Anavi) vom 4. September 2006, El Periodico
Die Anavi fordert die Steigerung der Einfuhrzölle auf Geflügel von15 auf 164,4 %, sobald die ins Land importierte Menge 21.810 Tonnen Fleisch überschreitet. Warum?
- Weil dies im Freihandelsabkommen so vorgesehen ist. Es handelt sich hierbei nicht um Protektionismus von unserer Seite, wir fordern lediglich eine Entschädigung für die uns daraus entstehenden Absatzverluste.
Man kann schon deshalb nicht von Protektionismus von seiten Guatemalas aus sprechen, weil die Volkswirtschaften unseres Landes und der USA überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind. Wir haben 13 Millionen Einwohner, die USA haben 300 Millionen Konsumenten – man kann sich den Unterschied in der Produktion von Geflügel vorstellen. Wir kämpfen mit dem Problem des Preis-dumpings, denn ein Produkt, was gut subventioniert aus den USA eingeführt wird, kann hier im Land zu Preisen verkauft werden, die unter unseren hiesigen Produktionskosten liegen. In diesem Fall kann man nicht von fairem Wettbewerb sprechen.
Welchen Einfluss hätte die Anhebung des Einfuhrzolls für den Verbraucher?
- Keinen, denn die 21.810 Tonnen Geflügel, die vergünstigt eingeführt werden können, begleitet von unserer nationalen Produktion, decken die Nachfrage des guatemaltekischen Marktes.
Fürchten Sie, dass die Einfuhr von billigem us-amerikanischen Geflügel der hiesigen Produktion schaden könnte?
- Wir wollen ein Gleichgewicht zwischen beiden Produktionen, das ohne eine Entschädigungsquote nicht besteht.
Was geschieht, wenn die Regierung trotz Ihrer Bemühungen die Zölle nicht anhebt?
- Dasselbe, was vor Jahren mit der nationalen Milchproduktion geschehen ist. Sie wurde durch Importe verdrängt und schliesslich gingen die Arbeitsplätze in diesem Produktionszweig verloren, weil die importierte Milch billiger war. Doch sobald die inländische Konkurrenz nicht mehr bestand, stiegen die Preise, denn nun war nichts mehr zu befürchten. Der kurzfristige Effekt stimmt eben nicht immer mit den langfristigen Auswirkungen solcher Entscheidungen überein.
Wie viele Arbeitsplätze schafft die nationale Geflügelproduktion?
- 30.000 direkte Arbeitsplätze und weitere 300.000 indirekte.
Der guatemaltekische Geschmack ist ja sehr speziell: vor allem die Beine und das schwarze Hühnchenfleisch verkaufen sich gut. Wenn die guatemaltekischen Produzenten nun ihre Preise etwas senken, um mit den importierten Produkten mithalten zu können ?
- Das Problem ist, dass wir nicht nur Beine und Flügel produzieren können. Die USA, die Hühnerbrust zu sehr guten Preisen auf ihrem einheimischen Markt absetzen können, haben es wesentlich leichter, die unbeliebten Teile, Beine, Flügel, schwarzes Fleisch, nach Guatemala zu sehr günstigen Preisen zu verkaufen.
Wir haben diesen Ausgleich nicht. Wenn wir unsere Geflügelbrüste zu denselben Konditionen verkaufen könnten wie die USA, ständen wir sicherlich besser da und könnten dafür Preise in den anderen Kategorien senken, aber wir haben eben keinen Zugang zum ausländischen Markt.